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Die Burgenfreunde und -freundinnen beider Basel feiern ihr 75-Jahr-Jubiläum

Eugen Dietschi-Kunz

(2. April 1861 bis 30. Oktober 1951)


Verena Bider


Eugen Arthur Dietschi kam 1861 als Sohn des Peter Dietschi und der Adele Luise, geborene Schmid, in Solothurn zur Welt. Sein Vater war Professor für Geschichte, Latein und Griechisch an der Kantonsschule Solothurn. Nach dem Nekrolog von 1951 hat die Familie am Riedholzplatz gelebt; der Knabe habe denn auch in seinen frühen Kinderjahren häufig auf der benachbarten Bastion gespielt und von dort die Übungen der Solothurner Miliz mitverfolgt. Schon im Jahre 1870 zog die achtköpfige Familie nach Olten, wo der Vater die Leitung der von ihm gegründeten Druckerei und der Zeitung «Volksblatt vom Jura» – heute «Oltner Tagblatt» – übernahm. Zum Zeitpunkt des Umzugs war viel Militär in der Stadt: Der Generalstab der schweizerischen Armee war in Olten einquartiert, und in einem Schulhaus lebten Internierte der Bourbaki-Armee. Diese Eindrücke waren prägend für den kleinen Eugen.

Nach dem Besuch der Primar- und der Bezirksschule trat Eugen Dietschi 1877 für ein Jahr in die «Ecole industrielle» in Vevey ein, um danach die Lehre zum Buchdrucker im väterlichen Geschäft aufzunehmen. Der Ausbildung schlossen sich zwei Wanderjahre an: Stationen waren Biel, Erfurt, Steglitz, Berlin sowie Leipzig, wo Dietschi bei der Verlagsdruckerei Breitkopf und Härtel arbeitete. Diese Wanderjahre festigten sein berufliches Können, aber auch seine Allgemeinbildung; er besuchte Städte, Burgen und Schlösser, zum Teil auf ausgedehnten Fussreisen. Nach dieser Zeit wichtiger Erfahrungen und Horizont erweiternder Einblicke kehrte Dietschi nach Olten zurück, wo er, mit Ausnahme eines Arbeitsaufenthaltes in Paris, zeitlebens wirken sollte: In den Jahren 1885 bis 1907, dem Todesjahr seines Vaters, als Co-Leiter der Druckerei, von 1907 bis 1934 als alleiniger Leiter.

Im Jahre 1890 verheiratete sich Dietschi mit Hedwig Kunz. Fünf Kinder wuchsen im Haus an der Solothurnerstrasse heran; der spätere Basler Ständerat Eugen Dietschi (1896 – 1986), Aviatikpionier und Redaktor der «National-Zeitung», war einer der Söhne. Hedwig Dietschi-Kunz starb im Jahre 1940.

Neben den beruflichen und familiären Aufgaben betätigte sich Dietschi vielfältig in der Öffentlichkeit, allerdings nie in politischen Ämtern. Er war Mitglied des Turnvereins, des Gesangvereins, des Schützenvereins Olten. Er war Mitbegründer des Gewerbevereins, der Offiziersgesellschaft Olten, der Sektion Olten des Roten Kreuzes und der örtlichen Museumsgesellschaft. Im Militär bekleidete er den Rang eines Infanteriehauptmanns.

Dietschis herausragendes Interesse galt schon früh der Geschichte. Bereits als junger Mann hatte er begonnen, die Familiengeschichte zusammenzutragen, um den Familienstammbaum zu erstellen. Neben der Genealogie interessierte er sich aber auch für die Geschichte von Burgen und Schlössern. Vielleicht hat Schloss Wartenfels in seiner Heimatgemeinde Lostorf, dem Wohnort seiner Grosseltern, sein frühestes Interesse geweckt. Sicher wurde seine Phantasie auch angeregt durch Erzählungen von Personen, die den Untergang der Alten Eidgenossenschaft und die Zerstörung der alten Schlösser Gösgen, Homburg, Farnsburg, Neu-Falkenstein und anderer persönlich miterlebt hatten.

Dietschis starke historische Neigung und sein «romantisches Gemüt» waren Anlass für den Aufbau einer umfangreichen Bibliothek und einer Dokumentation zu Burgenkunde, mittelalterlicher Kunstgeschichte und Heimatkunde. Er verbrachte viel Zeit mit der Beschaffung und dem Ordnen der Bücher. Einen noch grösseren Aufwand erforderte der Aufbau der Dokumentation: Dietschi wertete zu den genannten Themen Zeitungen und Zeitschriften aus und sammelte Bilder und Postkarten. In den Dachräumen seines Hauses, in einem speziellen Atelier mit Pressen, zog er die Zeitungsausschnitte und Abbildungen auf grosse Papierbogen, umrahmte sie mit den Farben der jeweiligen Adelsfamilie und ordnete die Dokumente ein. Die intensive Arbeit an Bibliothek und Dokumentation war für Dietschi-Kunz wohl ein wenig Ersatz für ein Leben und Wirken auf einer mittelalterlichen Burg, was sein höchster Wunsch gewesen sei.

Doch der Aufbau von Bibliothek und Dokumentation waren nur die eine Seite der intensiven Beschäftigung mit Burgen und Schlössern. In eigenen Zeitungsberichten setzte er sich für die Erhaltung von Burgen ein, unter anderem in den «Historischen Mitteilungen» des «Oltner Tagblatts». Noch im hohen Alter widmete er sich lokalgeschichtlichen Arbeiten, zum Beispiel in einer Schrift über die Herren von Rotberg und ihren Stammsitz, die «Jugendburg» Rotberg bei Metzerlen.

Dietschi freute sich 1927 über die Gründung des Schweizerischen Burgenvereins, der die gleichen Ziele anstrebte wie er selbst, und 1931 nahm er freundschaftliche Beziehungen auf zu den neu gegründeten Burgenfreunden beider Basel. Die Sorge um die Frohburg, die für Basel und Olten gleichermassen wichtig war, band ihn an den Basler Verein. So regte der Oltner «Burgenvater» in der Zwischenkriegszeit eine erste Grabung auf der Ruine an und setzte sich nach dem Krieg vehement für eine Fortsetzung ein.

Dietschi sah in seiner Bibliothek und der Dokumentation den Grundstock für das geplante, von ihm intensiv propagierte Schweizerische Burgenarchiv». Sein Einsatz hat im Jahre 1952 zum Ziel geführt.

Beschreibung der Sammlung Dietschi

Die Sammlung besteht aus 34 Archivschachteln im Format Folio. Die Schachteln enthalten Einzelblätter mit zum Teil illustrierten Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln sowie Illustrationen anderer Herkunft. Thematisch umfasst die Sammlung Burgenkunde und Burgenbewegung inklusive Nekrologe, allgemeine mittelalterliche Geschichte, Volkskunde, Historische Hilfswissenschaften (insbesondere Genealogie) und die Regionalgeschichte der Nordwestschweiz. Die Blätter sind mit einer Laufnummer versehen, nach zwölf Themen geordnet und innerhalb der Themen alphabetisch abgelegt. Die Dokumente stammen aus dem Zeitraum zwischen ca. 1890 und dem Todesjahr Dietschis, 1951.

Ein schriftlich niedergelegtes Sammelkonzept hat wohl kaum existiert. Die Sammlung wurde im Einmannbetrieb und ausserberuflich aufgebaut; dies schien schriftliche Festlegungen entbehrlich zu machen. Aus dem Bestand selber lässt sich ein informelles Konzept rekonstruieren: Schwerpunktthema war selbstverständlich die Burgenkunde, Nebensammelgebiete waren die oben genannten angrenzenden Gebiete. Die Kriterien der Aufnahme waren flexibel, die Sammeltiefe ergab sich aus der Zugänglichkeit des Materials, sowohl für das Schwerpunktthema wie für die Nebenthemen.

Dietschi wertete die ihm zugänglichen Solothurner Zeitungen sowie schweizerische illustrierte Zeitschriften systematisch aus. Regionalgeschichtliche Artikel finden sich in grösserer Anzahl als andere. Als Beispiel seien die Querelen genannt, die in Solothurn 1944 um die Nutzung des Régence-Palais Gibelin-Zetter entbrannten (heute Altbau der Zentralbibliothek Solothurn): Die Debatte in den verschiedenen Zeitungen wird ausführlich dokumentiert. – Daneben nehmen Zufallsfunde aus anderen Druckerzeugnissen breiten Raum ein.

Heute wird die Dokumentation selten genutzt. Der Bestand ist heterogen, oft fehlen Quellenangaben, die Primärinformation ist veraltet, da die Sammeltätigkeit nach Dietschis Tod in dieser Form nicht weitergeführt wurde – Recherchefunde sind entsprechend zufällig. Dennoch hat die Dokumentation Bedeutung und Wert: Eine historische Bedeutung als abgeschlossene Sammlung und einen Nutzwert als ergänzendes Rechercheinstrument. Benutzerinnen und Benutzer, die sich über die Entstehung der Sammlung im Klaren sind, werden bei der Durchsicht auf echte Trouvaillen stossen, die in professioneller angelegten Dokumentationen kaum zu finden wären.

Literatur:

Zur Erinnerung an Eugen Dietschi-Kunz. Mit Beiträgen von Urs Küry, Adolf Merz, Rudolf Riggenbach, Urs Dietschi, W. R. Ammann und Christian Adolf Müller, Olten 1951. – Dr Schwarzbueb, 30 (1952), S. 111. – Felchlin, Maria, Peter Dietschis Nachfolge,in: Oltner Tagblatt, Jubiläumsnummer «100 Jahre Buchdruckerei Dietschi», 25. 09.1969, S. 5. [= Kurzfassung von:] – Felchlin, Maria, Peter Dietschi und seine Nachfahren, Olten 1969.